Wiesbaden neu bewegen e.V. fordert zur Wiederinbetriebnahme des Wiesbadener Hauptbahnhofs Verbesserungen im Schienenangebot

Der Verein Wiesbaden neu bewegen e.V. freut sich über die Wiederinbetriebnahme der Gleise unter der Salzbachtalbrücke als schönes Weihnachtsgeschenk für alle, die mit der Bahn von und nach Wiesbaden fahren.

Ein halbes Jahr war der Hauptbahnhof der Landeshauptstadt Wiesbaden ohne direkte Bahnanschlüsse nach Frankfurt, Mainz und in den Rheingau. Die Fahrzeiten zu diesen Zielen haben sich während dieser Zeit erheblich erhöht, die Verbindungen wurden durch zusätzliches Umsteigen unzuverlässiger und waren weniger komfortabel. Zwischen Wiesbaden Hbf und Frankfurt Hbf kam es fast zu einer Verdoppelung der Fahrzeit – von 33 Minuten auf 61 Minuten. Wer in diesem Zeitraum montags bis freitags nach Frankfurt gependelt ist, hat also rechnerisch 124 Stunden (= 15,5 Arbeitstage) mehr für die Fahrt aufwenden müssen.

Das Erreichen des Status Quo vor der Brückensperrung dürfe aber nicht als Anlass gesehen werden, jetzt in Sachen Bahnverkehr die Hände wieder in den Schoß zu legen. “Um die Bahnfahrgäste für die entbehrungsreiche Zeit zu entschädigen, sind Angebotsverbesserungen notwendig”, sagt Wito Harmuth, Vorsitzender des Vereins. So fordert Wiesbaden neu bewegen e.V. Taktverdichtungen und Maßnahmen zur Fahrplanstabilisierung auf der Regionalbahnlinie 10 vom Rheingau über Wiesbaden nach Frankfurt. Weiter sollte über Mainz hinaus eine ganztägige Bahnverbindung nach Rheinland-Pfalz geschaffen werden, zum Beispiel durch die Verlängerung der S6 aus Richtung Mannheim und Worms über Mainz hinaus nach Wiesbaden.

Auch die Sanierung und der barrierefreie Ausbau der übrigen Wiesbadener Bahnhöfe ist durch die Streckensperrung in den Fokus geraten. “Der Zustand des Bahnhofs Wiesbaden-Biebrich zeigt, wie stiefmütterlich der Bahnverkehr in Wiesbaden lange behandelt wurde”, sagt Harmuth weiter. Ein Problem, das auch damit zusammenhänge, dass das Thema Bahnverkehr bei der ESWE Verkehr angesiedelt sei, deren Kernkompetenz aber der städtische Busverkehr sei. Dies zeige sich beispielsweise daran, dass bei den Planungen für die Erneuerung des Haltepunkt Erbenheim die Möglichkeit eines zweigleisigen Ausbaus, um Taktverdichtungen zu ermöglichen, nicht berücksichtigt wurde. Hierauf hat Wiesbaden neu bewegen e.V. sowohl in einer Stellungnahme zum Planfeststellungsverfahren als auch in einer entsprechenden Einwendung hingewiesen.

Als künftig sehr verbesserungswürdig bezeichnet Wiesbaden neu bewegen e.V. auch die Fahrgastinformation während der Zeit der Streckensperrung. So hätten anfänglich eine Information und Ausschilderung der Alternativen gänzlich gefehlt. Als „Erste Hilfe“ hatte der Verein daher selbst Informationen an den Bushaltestellen des Bahnhofsvorplatz ausgehängt. Unverständlich sei auch gewesen, warum die Deutsche Bahn am Haupteingang des Bahnhofs nur auf die Stadtbusverbindungen und nicht auf die Möglichkeiten der Schienenersatzverkehre hingewiesen habe. Außerdem sei die Aktion „Salzbachtalbrückentaxi“ viel zu spät gekommen und den meisten Menschen unbekannt gewesen.

“Die vergangenen sechs Monate haben gezeigt, dass es ohne Schiene in Wiesbaden nicht geht” sagt Vorstandsvorsitzender Harmuth. 

Die Stadt sollte die Wiederinbetriebnahme des Hauptbahnhofs als Chance begreifen, die Attraktivität des gesamten Öffentlichen Personennahverkehrs langfristig zu erhöhen – und zugleich die Option einer innerstädtischen Straßenbahn weiter zu forcieren.

Über Wiesbaden neu bewegen e.V.

Der Verein Wiesbaden neu bewegen e.V. ging im Frühjahr 2021 aus dem Verein Bürger Pro CityBahn Wiesbaden e.V. hervor. Auch nach dem Aus zur CityBahn (oder gerade deshalb) engagieren sich Menschen aus Wiesbaden und Umgebung für die Verkehrswende in Wiesbaden und einen nachhaltigen Ausbau des Öffentlichen Nahverkehrs in unserer Region. Ein gleichberechtigtes Miteinander der Verkehrsmittel ist dabei Voraussetzung für eine Stärkung des Umweltverbundes – also Fuß-, Rad- und Öffentlicher Nahverkehr. Wir verstehen die Verkehrswende als einen essentiellen Baustein auf dem Weg zu einer lebenswerteren, verkehrsärmeren und grüneren Stadt.

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