Salzbachtalbrücke: Acht kurzfristige Forderungen

Die nächsten Wochen, vielleicht sogar Monate, werden hart. Der Beinahe-Kollaps der Salzbachtalbrücke und die resultierende Einstellung des Zugverkehrs zum Wiesbadener Hauptbahnhof stellt Wiesbadens Verkehr vor eine enorme, langanhaltende Belastungsprobe. Fest steht: Wiesbadens Straßen sind der Zusatzbelastung nicht gewachsen. In der Folge entstehen Staus, Fahrtzeitverlängerungen, Emissionen, Aggressionen.

Der beste Transport ist der, der gar nicht erst stattfindet. Und so empfiehlt sich für alle, die können: HomeOffice und vermeidbare Fahrten sein lassen. Für alle anderen wird es eng. Und jeder einzelne, der in den nächsten Wochen und Monaten das Auto stehen lässt und auf Fahrgemeinschaften, den Busverkehr, den (verbleibenden) Schienenverkehr oder das Rad umsteigt, entschärft die Situation ein kleines bisschen.

Wir haben daher acht Forderungen für einen flüssigeren Verkehr formuliert. Acht Forderungen an die Stadt Wiesbaden, die ESWE Verkehr, den RheinMain-Verkehrsverbund und das Land Hessen.

1. Direkte Express-Busverbindungen zu den peripheren Bahnhöfen

Wiesbadens nicht-Hauptbahnhöfe werden weiter bedient: Die RE9/RB10 (VIAS) verkehrt weiter über Schierstein, Biebrich und Kastel gen Frankfurt. Die S-Bahnen enden wahlweise in Wiesbaden-Ost (S1 und S8) oder in Mainz-Kastel (S9). Nun müssen die Pendler schnell und zuverlässig zu diesen Bahnhöfen – möglichst mit direkten Busshuttles aus der Innenstadt und vom Hauptbahnhof. Nur so lassen sich Pendler im ÖPNV halten.

2. Wo möglich und nötig: PopUp-Busspuren

Wo möglich, müssen die vorhandenen Busspuren genutzt werden. Wo es keine gibt und die Gegebenheiten es zulassen, sollten temporäre Busspuren ernsthaft in Betracht gezogen werden. Eine solche könnte beispielsweise auf der A66 von der Mainzer Straße zur Ausfahrt Erbenheim und zurück Sinn machen – hier werden die Busse der 3, 6 und 33 umgeleitet. Durch die Sperrung der Salzbachtalbrücke werden für den MIV ohnehin nicht alle drei Spuren benötigt und die Busse beschleunigen und bremsen (aufgrund ihrer hohen Besetzung) spürbar anders als PKWs.

3. Einführung eines Sonder-ÖPNV-Tarifs analog dem Brückentarif

Bei der Sperrung der Theodor-Heuss-Brücke Anfang 2020 haben Mainz und Wiesbaden kurzfristig einen Brückentarif in den Tarifzonen Mainz/Wiesbaden eingeführt. Konkret fordern wir eine Neuauflage – also deutlich deutlich attraktivere ÖPNV-(Zeit)karten für Pendler in diesen beiden Tarifzonen.

4. Sicherstellung eines reibungslosen Busverkehrs zwischen Hauptbahnhof und Wiesbaden Ost

Die Mainzer Straße verfügt fast durchgehen über Busspuren und ist essenzielle Route für Linien wie die 6. Durch die Sperrung der Durchfahrt durch die Salzbachtalbrücke werden die Busse nun über Theodor-Heuss-Ring, Biebricher Allee und Kasteler Straße bzw. die A66 umgeleitet. Besonders auf der ersteren Route ist mit massiven Staus und dadurch signifikant längeren Fahrtzeiten zu rechnen. Busspuren existieren hier nicht.

Stattdessen soll eine Möglichkeit geschaffen werden, die Busse über die Aus-/Auffahrtrampen der Anschlussstelle Mainzer Straße zu routen – die dazu notwendigen Anpassungen sind marginal und werden vom Blog Fliessbaden.de erklärt.

5. Freigabe der ESWE-MeinRad-Räder für alle registrierten Kunden

Mit ESWE MeinRad verfügt der städtische Mobilitätsdienstleister über eine eigene Bike-Sharing-Flotte. Um diese als Alternative zu positionieren, sollten hier (analog zum Brückenticket) Vergünstigungen oder tägliche Freiminuten realisiert werden. Auch müssen an den peripheren Bahnhöfen Leihstationen errichtet und/oder mit mehr Fahrrädern aufgestockt werden.

6. Ausschilderung von (alternativen) Fahrradrouten

Viele Wiesbadenerinnen und Wiesbadener schwingen sich in den kommenden Tagen erstmalig aufs Rad, um komplett oder Teilstrecken zu pendeln. Umso wichtiger ist es, nicht nur die schnellsten, sondern auch gut radelbare Routen auf den Hauptrelationen (z.B. Innenstadt – Biebrich Bahnhof) noch einmal explizit auszuschildern. Das verhindert Umwege, Unfälle und Unannehmlichkeiten.

7. Verlängern der S9 oder der RB75 nach Eltville

Die Linien des Schienen-Personen-Nahverkehrs enden aktuell (mit Ausnahme der Ländchesbahn) vor Wiesbaden Hbf. Die S9 endet in Mainz-Kastel, die RB75 bereits in Mainz Hauptbahnhof bzw. Wiesbaden Ost, die S1/S8 in Wiesbaden Ost. Wir wünschen uns eine Verlängerung einer dieser Linien1 Eine Verlängerung der S-Bahnlinien scheidet aufgrund der Höhenunterschiede aus. Die S-Bahnen haben eine Einstiegshöhe von 96cm, der Bahnsteig in Biebrich über 40cm weniger. der RB75 nach Eltville – damit diese auch Wiesbaden-Biebrich und Schierstein bedienen und damit Umstiege vermieden werden. So entstehen direkte Zugverbindungen nach Mainz und Darmstadt bzw. Richtung Frankfurt Flughafen.

Weder Schierstein noch Biebrich sind allerdings geeignet, um Züge (w)enden zu lassen – dafür fehlen die Weichen und ein drittes Gleis. Daher empfiehlt sich, die Linie bis Eltville zu verlängern.

8. Aktualisierung der RMV-Fahrplan-App

Bis heute (Stand 20. Juni, 23. Uhr) – also zwei volle Tage nach der Sperrung – sind die Bus-Fahrplandaten in den Datenbanken des RMV nicht aktualisiert. Apps der DB, des RMV und der ESWE zeigen damit falsche Fahrpläne der umgeleiteten Linien an. Nicht bediente Haltestellen werden laut App bedient, neu bediente bleiben unerwähnt. Die Fahrtzeiten werden basierend auf dem Standard-Weg (also falsch) ausgegeben. Auch die S-Bahn-Verbindungen sind noch immer nicht aktualisiert. Ein Tiefschlag für jeden, der nun Alternativen per ÖPNV recherchiert.

Nach Fahrplanauskunft des RMV wird die S1 noch ab Hauptbahnhof angezeigt.
Auch die Buslinie 6 fährt laut APP weiter den gewohnten Laufweg.
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    Eine Verlängerung der S-Bahnlinien scheidet aufgrund der Höhenunterschiede aus. Die S-Bahnen haben eine Einstiegshöhe von 96cm, der Bahnsteig in Biebrich über 40cm weniger.