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Pressemitteilung: Bitte nicht nur ein Sommermärchen! Wiesbaden neu bewegen e.V. zieht erste Schlüsse und fordert Nachfolgemodell für das 9-Euro-Ticket

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Nach zwei Drittel der Laufzeit zeigt sich eindrucksvoll: Das 9-Euro-Ticket ist ein Riesenerfolg! Gerade in Wiesbaden. Seit Einführung des preiswerten Nahverkehrstickets ist hier bundesweit laut dem Verkehrsdatenspezialisten Tomtom  der zweitstärkste Staurückgang zu verzeichnen. Offenbar hat der günstige Tarif auffallend viele Autofahrende zum Umstieg auf Busse und Bahnen bewegt. Und weniger Stau bedeutet auch weniger Stress, Lärm und Luftverschmutzung.

Angesichts dieses erfreulichen Effekts drängt  der Verein  Wiesbaden neu bewegen e.V., der sich für eine menschenfreundliche Mobilität in Wiesbaden einsetzt, darauf, zeitnah entsprechende Lehren zu ziehen. 

Nachfolgeregelung für 9-Euro-Ticket muss her

Zum einen fordert der Verein eine rasche Nachfolgeregelung für das 9-Euro-Ticket. „Im September, wenn das Modell ausläuft, einfach zum Normalmodus zurückzukehren”, wäre vor allem angesichts der trotz Gegenstimmen aus Wiesbaden vom RMV bereits beschlossenen Preiserhöhungen ein fatales Signal und kontraproduktiv“, bilanziert Vereinsvorsitzender Alexander Mehring. Millionen Interessierte, die sich im Sommer auf umweltfreundliche und bezahlbare Fortbewegung mit dem ÖPNV eingelassen haben, würden durch einen Preissprung wieder aus öffentlichen Verkehrsmitteln vertrieben. „Wer für eine einfache Busstrecke schon mehr als ein Drittel des 9-Euro-Monatstarifs bezahlen muss, der ist für den öffentlichen Personenverkehr rasch wieder verloren – und damit auch die Chance auf eine grundlegende Verkehrswende”, so Mehring weiter. 

Auch wenn die Steuer-Milliarden für nachhaltige Mobilität ausgesprochen gut angelegt wären: Das vergünstigte Ticket für den deutschlandweiten Nah- und Regionalverkehr muss nicht unbedingt so billig bleiben, um zu wirken. Auch mit 30 oder 50 Euro pro Monat könnte die Alternative zum eigenen PKW weiterhin locken. Denn über die Kalkulation „Was kostet mich die Fahrt zur Arbeit?“ hinaus ist es vor allem die bundesweite Gültigkeit, die das Angebot so attraktiv macht: einfach in den nächsten Regionalzug steigen, ohne sich vorher durch einen Dschungel aus Fahrpreis- und Tarifzonen zwischen wie auch innerhalb von Städten und Kreisen zu quälen. 

Allerdings ist neben dem Preis für den Verein auch die geografische Gültigkeit nicht in Stein gemeißelt für die anstehenden Diskussionen. Denn für den Umstieg auf den ÖPNV für alltägliche Wege braucht es nicht zwingend eine bundesweite Gültigkeit. So würde auch schon z.B. ein Stadt-, Kreis- und Landesgrenzen übergreifendes Regionalticket (z.B. mit 75 km um den eigenen Wohnort herum) den Umweltverbund deutlich attraktiver gestalten. „Hoffentlich ist es mit diesem Tarifanachronismus bald für alle Zeiten vorbei“, resümiert Vereinsvorsitzender Mehring. „Den Menschen sind Tarifzonen egal. Für sie zählt nur das Ergebnis: in angemessener Zeit, komfortabel und zu akzeptablen Preisen mobil sein.“

Infrastrukturausbau drängt

Zugleich zeigt die derzeit große Nachfrage nach Ansicht des Vereins auch die dringende Notwendigkeit einer Verbesserung des Nahverkehrsangebots in Wiesbaden. Damit aus dem dreimonatigen Versuch ein zukunftsfähiges Modell wird, muss die Fahrt in Bus und Bahn auf neue Nutzer:innen so anziehend wirken, dass sie ihnen auch zu höheren Kosten weiterhin die Treue halten. 

Das bedeutet: nachhaltige Investitionen in das Bussystem, um Wartezeiten zu verkürzen und den Wiesbadener Bussen mehr Platz (in Form von Busspuren) einzuräumen, damit sie pünktlich sind. 

Vor allem aber heißt es für den Verein perspektivisch auch: Eine moderne, leistungsfähige Straßenbahn für Wiesbaden und das Umland ist notwendig! Diese kann mit weniger Personaleinsatz und bei geringerem Straßenraumbedarf (ggü. Busspuren) deutlich mehr Menschen komfortabler und verlässlicher – und damit attraktiver – an ihre Ziele bringen. Mit Bussen allein, selbst bei Vorhandensein von Busspuren, ist das wachsende Passagieraufkommen schon jetzt nicht mehr zu bewältigen und lädt nicht dazu ein, das Auto häufiger stehen zu lassen.

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